Vorsicht beim Smartphone als Rückentrainer!

Die Wirbelsäule ist ein Wunderwerk der Evolution. Sie sorgt für Stabilität und ermöglicht den aufrechten Gang. Gleichzeitig ist sie sehr beweglich, so dass wir Menschen völlig unterschiedliche Körperhaltungen einnehmen können. Diese Flexibilität bei gleichzeitiger Stützfunktion macht die Wirbelsäule empfindlich: Eine falsche Körperhaltung und schädliche Bewegungen – aber auch gar keine Bewegung – begünstigen unterschiedliche Erkrankungen, die zu Schmerzen führen können.

“Ich hab’ Rücken!” – Ein häufiger Grund für die Krankschreibung

Nach dem Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK für das Jahr 2016, der die Arbeitsunfähigkeitsdaten von Berufstätigen auswertet, sind Rückenbeschwerden nach Infektionen der Atemwege der häufigste Grund für den Krankenschein. 74 bis 85 % aller Menschen in Deutschland hatten bereits einmal im Leben Rückenschmerzen, und 32 bis 49 % aller Menschen leiden regelmäßig daran.

Weitere interessante Zahlen und Fakten gibt es in der Zusammenstellung verschiedener Statistiken zum Thema Rückenschmerzen.

Das Geschäft mit den Schmerzen

Wo viele Menschen leiden, da eröffnet sich gleichzeitig ein großer Markt für Produktanbieter. Unzählige Artikel werden mit dem Versprechen beworben, beim Beseitigen der Rückenschmerzen zu helfen oder die Schmerzen zu lindern.

Mittlerweile gibt es auch ein unüberschaubares Angebot von kostenpflichtigen oder kostenlosen Apps fürs Smartphone, die den Rücken wieder „begradigen“ wollen. Sie zeigen Ihnen Übungen, lassen Sie ein Tagebuch führen und ermuntern Sie für ein Trainingsprogramm. Gelegentlich zeichnen sie Ihre Bewegungen auf und geben Tipps, was Sie in Ihrem Tagesablauf verbessern können.

Das Problem dabei: Nur sehr wenige Rückentraining- oder Fitness-Apps sind von einer vertrauenswürdigen, fachlichen Institution geprüft und zertifiziert. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat stichprobenweise insgesamt 17 kostenlose Rücken-Apps getestet

» Hier geht es zum ausführlichen Bericht der Verbraucherzentrale

Medizinische Apps gegen Rückenschmerzen
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Eine App ist kein Arzt!

Selten sehen Sie als Nutzer, woher diese vermeintlich guten Ratschläge stammen und wie qualifiziert diese Quelle ist. Bedenken Sie bitte stets, dass es einem App-Anbieter in den seltensten Fällen darum geht, Ihnen zu einer besseren Gesundheit zu verhelfen – sondern eher, Ihren Geldbeutel zu öffnen oder Ihnen in der App Werbung zu präsentieren.

Bei der Untersuchung durch die Verbraucherzentrale hat sich darüber hinaus gezeigt, dass nur fünf Apps angeben, an welche Patientengruppe sie sich gezielt richten (in diesem Fall Arthrose und Rheuma). Die übrigen Apps adressieren sehr allgemein Menschen mit Rücken- oder Gelenkschmerzen. Eine App kann aber nicht erkennen, ob bei Ihnen lediglich Muskelverspannungen oder aber eine ernstzunehmende Wirbelsäulenerkrankung vorliegt. Von einer korrekten Diagnose hängt jedoch eine zielführende Therapie ab.

Und der wichtigste Punkt: Nur vier von 17 Apps wiesen den Nutzer darauf hin, dass sie bei manchen Leiden einen Arzt aufsuchen sollten. So führen Betroffene gutgläubig vorgegebene Übungen durch, in der Hoffnung, dass sich die Schmerzen damit bald wieder legen werden und ein Arztbesuch somit unnötig ist. Im ungünstigen Fall verschlimmern sie damit aber sogar Ihr Leiden, statt es zu verbessern!

Was sollten Menschen mit Rückenschmerzen also tun?

Verschlimmern sich die Schmerzen nach einer gewissen Zeit, anstatt dass sich wieder bessern, suchen Sie unbedingt Ihren Arzt auf. Nur er kann eine korrekte Diagnose stellen und Ihnen eine zielführende Therapie empfehlen.

Wenn Sie bei eher leichten, neu aufgetretenen Schmerzen zunächst nach Apps für Ihr Smartphone suchen möchten, dann prüfen Sie zuvor diese beiden Punkte:

  • an wen richtet sich die App und gehören Sie zur Zielgruppe?
  • ist der Anbieter medizinisch qualifiziert?

Unser Fazit: Eine App heilt keine Krankheiten – Ihr Arzt hingegen schon!


von Debora Pape. 23.10.2017