Anatomie der Wirbelsäule


Die Wirbelsäule, das Rückgrat, stützt den menschlichen Körper, sorgt für dessen Beweglichkeit und ermöglicht uns den aufrechten Gang. Zudem verbindet sie als knöcherne Achse unseres Körpers die verschiedenen Skelettteile wie Kopf, Brustkorb, Becken, Arme und Beine miteinander.

Rücken und Wirbelsäule
© freshidea / Fotolia

Aufbau und Funktion der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule ist sehr komplex und setzt sich aus einer Reihe einzelner Elemente zusammen. Da die Wirbelsäule auch für die Beweglichkeit unseres Rumpfes eine große Rolle spielt, ist sie in ihrem gesunden Zustand nicht starr oder steif.

Sie wird aus einer Kette von 24 einzelnen, beweglichen, knöchernen Segmenten, den Wirbeln, gebildet. Am unteren Ende der Wirbelsäule befinden sich das Kreuzbein und das Steißbein.

Lendenwirbel der Wirbelsäule
Der 5. Lendenwirbelknochen von oben mit dem Wirbelkörper (unten) und dem Wirbelbogen.

Die Wirbel sind über jeweils zwei seitliche Gelenke, die sogenannten Zwischenwirbelgelenke, miteinander verbunden.

Zwischen den 24 einzelnen Wirbeln liegen die 23 Bandscheiben (Zwischenwirbelscheiben), die als Polster dienen. Sie bestehen im Gegensatz zu den Wirbeln nicht aus Knochen, sondern aus einem Knorpelring mit einem weichen Kern.

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Die einzelnen Wirbel

Die einzelnen Wirbel der verschiedenen Abschnitte der Wirbelsäule unterscheiden sich zwar teilweise in ihrer äußeren Form, vom Grundaufbau sind sie sich aber dennoch sehr ähnlich. Jeder Wirbel besteht aus einem Wirbelkörper und einem Wirbelbogen, der eine Öffnung in Form eines Dreiecks umgibt. Im Inneren des Knochenmarkes der Wirbelkörper bilden sich stetig neue Blutzellen.

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Durch die Stapelung der Wirbelknochen übereinander ergibt sich so im Zentrum der Wirbelsäule ein länglicher Hohlraum, der sogenannte Wirbelkanal. Im Wirbelkanal befindet sich das Rückenmark.

Auf jeder Ebene zweier benachbarter Wirbelbögen, bei welchen rechts und links jeweils ein sogenanntes Zwischenwirbelloch frei bleibt, tritt ein Rückenmarksnerv in die Arme oder Beine aus.

Drei Wirbel mit Bandscheiben und dem Rückenmark im Wirbelkanal
Bandscheiben zwischen Wirbelknochen. Im Wirbelkanal befindet sich das Rückenmark. © Alexandr Mitiuc / Fotolia

Stabilisierung der Wirbelsäule

Die einzelnen Wirbelbögen haben jeweils einen Quer- und einen Dornfortsatz und stellen das Fundament für Muskeln und Bänder der Wirbelsäule dar. Diese verbinden die einzelnen Wirbelgelenke und Wirbel und gewährleisten die Stabilität der Wirbelsäule.

Dabei sind andere Teile des Skeletts, wie Schultern und Becken, in das muskuläre System eingebunden, was zur Stabilisation der Wirbelsäule beiträgt.

Die Krümmung der Wirbelsäule

Betrachtet man die Wirbelsäule frontal, stellt sie in ihrer gesunden Form eine gerade Linie dar. Von der Seite betrachtet ist die Wirbelsäule jedoch doppelt s-förmig gebogen. Während die Brustwirbelsäule sich nach hinten ausformt, sind die Hals- und Lendenwirbelsäule hingegen nach vorne gebogen.

Die menschliche Wirbelsäule frontal und von der Seite
Die Wirbelsäule mit Bandscheiben (blau) von vorn und von der Seite

Diese Form ermöglicht dem Menschen einen aufrechten, elastischen, dynamischen Gang.

Abschnitte der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule lässt sich von oben nach unten in fünf verschiedene Abschnitte unterteilen:

  • Halswirbelsäule
  • Brustwirbelsäule
  • Lendenwirbelsäule
  • Kreuzbein
  • Steißbein (Sakralwirbelsäule)

Die Wirbel sind von oben nach unten durchnummeriert und mit Abkürzungen versehen.

Aufbau der menschlichen Wirbelsäule
© Peter Hermes Furian / Fotolia


Dieses Video zeigt den Aufbau der Wirbelsäule anschaulich (Erklärungen auf englisch)

Halswirbelsäule (HWS)

Die Halswirbelsäule (Pars cervicalis) setzt sich aus sieben Halswirbeln zusammen, die im Vergleich zu den Wirbeln anderer Abschnitte der Wirbelsäule relativ zart und klein sind. Die Halswirbel sind von C1 bis C7 durchnummeriert.

Auf der Halswirbelsäule sitzt der Schädel auf. Die besonders gelenkige Verbindung des ersten Halswirbels (Atlas), welcher keinen massiven Wirbelkörper besitzt, mit dem zweiten (Axis), ergibt die Beweglichkeit des Kopfes. Der letzte Halswirbel hat einen relativ langen Dornfortsatz, sodass er bei den meisten Menschen mit bloßem Auge am unteren Nacken durch die Haut gesehen bzw. ertastet werden kann.

Das Rückenmark aus dem Hirnstamm ist im Bereich der Halswirbelsäule sehr dick. Aus diesem Grund ist auch der Wirbelkanal entsprechend geweitet. Eine Besonderheit der Halswirbel sind die Querfortsätze mit kleinen Öffnungen nach links und rechts, durch welche die Wirbelarterien verlaufen. Diese entspringen der Hauptschlagader und spielen damit für die Blutversorgung des Gehirns eine besondere Rolle.

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Brustwirbelsäule (BWS)

Die Brustwirbelsäule (Pars thoracica) setzt sich aus insgesamt zwölf stabilen und kräftig geformten Wirbeln zusammen, die von Th1 bis Th12 durchnummeriert sind. Jeder Brustwirbel ist über ein kleines Gelenk mit einer Rippe verbunden. Neben der Stabilisation des Brustkorbs sind die Brustwirbel auch für die Beweglichkeit der Rippen, beispielsweise bei der Atmung, zuständig.

Ähnlich wie im Bereich der Halswirbelsäule, ist die Brustwirbelsäule beinahe vollständig mit Rückenmark ausgefüllt. Im unteren Teil der Brustwirbelsäule befindet sich eine Verdickung des Rückenmarks, aus welcher die Nerven für die Beine hervorgehen.

Viele Menschen leiden im Bereich der Brustwirbelsäule durch zu wenig Bewegung und Haltungsschäden an Rückenschmerzen.

Lendenwirbelsäule (LWS)

Die fünf Wirbel der Lendenwirbelsäule (Pars lumbalis) sind von L1 bis L5 durchnummeriert. Die Lendenwirbelsäule ist ständig einer hohen Belastung ausgesetzt, da sie einen Großteil des Körpergewichts trägt. Aus diesem Grund sind die Lendenwirbel relativ groß.

Dennoch kommt es im Bereich der Lendenwirbelsäule relativ häufig zu Abnutzungen und Verschleißerscheinungen der Wirbelgelenke oder der Bandscheiben. Dadurch entstehen schmerzhafte Erkrankungen, wie etwa ein Bandscheibenvorfall oder weitere, unbestimmte Schmerzen als Symptom an der Wirbelsäule.

In Höhe des ersten oder zweiten Lendenwirbels befindet sich kein Rückenmark. Die Nerven für die Beine und das Becken führen jedoch weiter durch den Wirbelkanal und gehen auf verschiedenen Ebenen ab.

Sakralwirbelsäule

Die sogenannte Sakralwirbelsäule besteht aus dem Kreuzbein und dem Steißbein, den beiden unteren Abschnitten der Wirbelsäule:

Kreuzbein (Os sacrum)

Die fünf Wirbel, die zusammen das Kreuzbein bilden, sind im Laufe der Evolution des Menschen miteinander verwachsen und bilden nun einen einzigen Knochen. Da die frühere Wirbelform jedoch noch immer erkennbar ist, werden diese Bestandteile von S1 bis S5 durchnummeriert.

Während der eine Teil des Kreuzbeins zur Wirbelsäule gehört, wird der andere Teil dem Becken zugerechnet. Das sogenannte Kreuzbein-Darmbeingelenk verbindet das Becken mit der Wirbelsäule.

Das Kreuzbein mit den fünf Wirbelbestandteilen
Das Kreuzbein (Sacrum) mit den fünf Wirbelbestandteilen

Steißbein (Os coccygis)

Das Steißbein ist der unterste Abschnitt der Wirbelsäule und entspricht dem Schwanzskelett bei Wirbeltieren. Dieses ist beim Menschen jedoch im Laufe der Zeit zu dem miteinander verwachsenen Steißbein verkümmert ist. Ursprünglich bestand das Steißbein aus drei bis fünf einzelnen Wirbeln.