Schmerzen an der Wirbelsäule | Was tun bei Wirbelsäulenschmerzen?

Schmerzen an der Wirbelsäule

Über 80 Prozent der Bevölkerung in den westlichen Industrienationen leiden Schätzungen zufolge mindestens einmal in ihrem Leben an Wirbelsäulenschmerzen und müssen aus diesem Grund ärztlich behandelt werden. Schmerzen in der Wirbelsäule können unter anderem durch angeborene, erbliche, entzündliche und degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule verursacht werden.

Definition: Schmerzen an der Wirbelsäule

Die Bezeichnung Wirbelsäulenschmerzen wird häufig synonym mit der Bezeichnung Rückenschmerzen verwendet. Rückenschmerzen lassen sich häufig auf Erkrankungen zurückführen, die mit der Wirbelsäule zusammenhängen. Beide Krankheitsbezeichnungen stellen außerdem kein selbstständiges Krankheitsbild dar. Vielmehr sind sie das Symptom einer Erkrankung, durch die die Schmerzen in der Wirbelsäule verursacht werden. Daher lassen Wirbelsäulenschmerzen alleine noch keine Rückschlüsse auf die Ursache zu.

Schmerzen an der Wirbelsäule und Anatomie der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule ist zentrales und tragendes Konstruktionselement des Körpers, denn sie verbindet alle Teile des Skeletts miteinander. Betrachtet man die Wirbelsäule frontal oder von hinten, bildet sie in ihrem gesunden Zustand eine gerade Linie. Von der Seite bildet sie hingegen eine doppelte s-förmige Krümmung.

Die Wirbelsäule
© Robert Kneschk / Fotolia

Dies resultiert aus den unterschiedlich gebogenen Abschnitten der Wirbelsäule. Die Krümmung hat den Zweck, der Wirbelsäule mehr Elastizität zu verleihen, um sie so zugleich vor Belastungen und Erschütterungen zu schützen.

Die Wirbelsäule setzt sich aus 32 bis 33 Wirbelknochen zusammen, die folgenden einzelnen Abschnitten zugeordnet werden können:

  • Halswirbelsäule (sieben oberste Wirbel)
  • Brustwirbelsäule (zwölf Brustwirbel)
  • Lendenwirbelsäule (fünf Lendenwirbel)
  • Kreuz- und Steißbein (fünf Kreuz- und Steißwirbel)

Häufigkeit und Lokalisation von Wirbelsäulenschmerzen

Jeder dritte bis vierte Deutsche leidet aktuellen medizinischen Studien zufolge unter Wirbelsäulenschmerzen. In den meisten Fällen verschwinden die Schmerzen nach einiger Zeit von alleine wieder. Halten die Schmerzen länger als zwölf Wochen an, spricht man von chronischen Wirbelsäulenschmerzen. Etwa zehn Prozent der Patienten leiden an chronischen Wirbelsäulenschmerzen. In diesen Fällen kann sich der Körper nicht selbst heilen, sodass die Basiserkrankung der Schmerzen in der Wirbelsäule genau diagnostiziert und behandelt werden muss.

Wirbelsäulenschmerzen treten so gut wie nie im Brustkorbbereich auf. Mit 65 Prozent ist am häufigsten die Lendenwirbelsäule und zu 33 Prozent die Halswirbelsäule betroffen.

Ursachen von Wirbelsäulenschmerzen

Rücken- bzw. Wirbelsäulenschmerzen können zahlreiche Ursachen haben:

  • angeboren
  • erblich
  • entzündlich
  • degenerativ durch das Alter
  • unfallbedingt

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen nicht-spezifischen und spezifischen Schmerzen in der Wirbelsäule. In den meisten Fällen handelt es sich um unspezifische Schmerzen. Diese lassen sich schwer einer genauen Ursache zuordnen. Häufig sind Abnutzungserscheinungen und damit degenerative Veränderungen für Schmerzen an der Wirbelsäule verantwortlich. Spezifische Schmerzen sind dagegen besser einer bestimmten Ursache wie beispielsweise einem Bandscheibenvorfall oder einer Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose) etc. zuzuordnen.

Schmerzen in der Wirbelsäule durch degenerative Erkrankungen

Degenerative Erkrankungen wie zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall können erhebliche Schmerzen in der Wirbelsäule verursachen. Degeneration bedeutet in der medizinischen Fachsprache Abnutzung, Verfall und Rückbildung, sodass die Wirbelsäule an Stabilität verliert. Der Körper setzt aufgrund dieser Degenerationsprozesse in Form von Veränderungen der Bandscheiben, der Muskulatur und des Bindegewebes werden Prozesse in Gang, die diese Instabilität der Wirbelsäule ausgleichen sollen. Es bilden sich Knochenwucherungen, die den fortschreitenden Mangel an Elastizität und Stabilität jedoch nicht aufhalten können, sondern sogar verschlimmern.

Durch diese Knochenwucherungen in den Wirbeln und Wirbelgelenken kann es zur sogenannten Spondylarthrose und weiteren Erkrankungen wie der Spinalkanalstenose (Einengung des Spinalkanals) kommen. Den Wirbelsäulenschmerzen entsprechend, die am häufigsten an der Lenden- und Halswirbelsäule auftreten, setzten auch die Degenerationsprozesse vor allem in diesen Abschnitten der Wirbelsäule ein.

Schmerzen in der Wirbelsäule durch Stoffwechselerkrankungen und entzündliche Prozesse

Die Osteoporose ist eine Stoffwechselerkrankung der Knochen, die vermehrt im fortgeschrittenen Alter vorkommt. Durch einen starken Knochenabbau bzw. einem zu starken Abbau der Knochenzellen bei einem zu geringen Knochenaufbau, lässt die Stabilität rapide nach, wodurch die Wirbel brüchiger werden. Hierdurch können massive Schmerzen in der Wirbelsäule auftreten.

Des Weiteren können Entzündungen im Bereich der Wirbelsäule zu stark ausgeprägten Schmerzen in der Wirbelsäule führen. Diese Erkrankungen sind jedoch seltener.

Symptome bei Wirbelsäulenschmerzen

Schmerzen in der Wirbelsäule stellen das Symptom einer oder mehrerer Erkrankungen dar. Je nach Ursache der Wirbelsäulenschmerzen unterscheiden sich Ausprägung, Art und Dauer. Akute Schmerzen in der Wirbelsäule treten in der Regel plötzlich in Form von einschießenden, stechenden, ziehenden oder gar krampfartigen Schmerzen auf. Häufig ist dabei auch die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Von chronischen Schmerzen spricht man in der Regel erst, wenn die Schmerzen in der Wirbelsäule eine Zeitdauer von ungefähr zwölf Wochen überdauern.

Häufige Arten von Schmerzen an der Wirbelsäule sind zum Beispiel die typischen Kreuzschmerzen im unteren Drittel des Rückens oder auch Nackenschmerzen. Die unterschiedlichen Formen der Wirbelsäulenschmerzen können die Lebensqualität und den Alltag erheblich beeinträchtigen und sind teilweise sogar mit neurologischen Störungen verbunden.

Da es sich bei Schmerzen in der Wirbelsäule selbst um ein Symptom handelt, lässt sich alleine durch die Art des Schmerzes, auch wenn dieser gut zu lokalisieren ist, keine Diagnose stellen. Ein Bandscheibenvorfall muss zum Beispiel nicht zwingend starke Schmerzen in der Wirbelsäule hervorrufen. Ebenso müssen auch andere degenerative Erkrankungen mit einer starken Verschleißerkrankung nicht notwendigerweise mit starken Wirbelsäulenschmerzen einhergehen. Auf der anderen Seite ist es aber durchaus möglich, dass schon leichte Abnutzungen der Bandscheiben, Wirbelgelenke etc. sehr starke Schmerzen in der Wirbelsäule hervorrufen können.

Diagnose von Wirbelsäulenschmerzen

Die korrekte Diagnose ist, wie bei jeder Erkrankung, Grundlage für eine geeignete Therapie. Ohne die Ursache für die Schmerzen zu kennen, kann der Arzt keine langfristig erfolgreiche Therapie einleiten. Die ärztliche Untersuchung beinhaltet in der Regel

  • ein ausführliches Anamnesegespräch
  • eine körperliche Untersuchung
  • ggf. entsprechende Tests
  • bildgebende Verfahren

Es gibt Schmerzen in der Wirbelsäule, die aus einer kurzfristigen, stärkeren Belastung resultieren, zum Beispiel durch das Tragen eines (zu) schweren Rucksacks oder durch zu langes Stehen. Diese Rückenschmerzen gehen bei Entlastung des Rückens in der Regel auch ohne medizinische Behandlung wieder zurück. Eine ärztliche Untersuchung ist aber angeraten, wenn die Schmerzen länger anhalten und die Ursache, wie eine kurzweilige Überlastung beispielsweise, nicht bekannt ist bzw. nicht vorliegt.

Die intensive körperliche Untersuchung zur Diagnose der Schmerzen in der Wirbelsäule beginnt in der Regel mit der Überprüfung des Gangbildes sowie mit der Kontrolle von Haltung und Stellung der Wirbelsäule. Des Weiteren ertastet der Arzt die Schmerzpunkte. Mittels verschiedener Funktionstests bringt er in Erfahrung, wie beweglich die Wirbelsäule noch ist oder nicht ist.

Ein entsprechender Facharzt – zum Beispiel ein Orthopäde – kann nach Einholung der Krankheitsgeschichte und der körperlichen Untersuchung das jeweils bevorzugte bildgebende Verfahren einsetzen. Hierzu eignen sich

  • Röntgenuntersuchung
  • Kernspintomographie/ Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Computertomographie (CT)

Röntgenbild der Wirbelsäule
Wirbelsäule (mit Skoliose) im Röntgenbild © marcel / Fotolia

Wenn der Patient unter Schmerzen in der Wirbelsäule leidet, die bis in die Arme und Beine ausstrahlen, sollte eine Magnetresonanztomographie erfolgen. Denn so kann beispielsweise auch ein Bandscheibenvorfall oder eine Nervenquetschung etc. diagnostiziert und behandelt werden. Vermutet der Arzt, dass die Schmerzen in der Wirbelsäule eher auf eine Strukturveränderung der Wirbelknochen und -gelenke zurückzuführen sind, sollte eher eine Computertomographie (CT) zum Einsatz kommen.

Behandlung von Wirbelsäulenschmerzen

Die Behandlungsmethode richtet sich nach der jeweiligen Ursache, Erkrankung bzw. Diagnose. Damit es nicht zu chronischen Schmerzen in der Wirbelsäule kommt, sollte bei akuten Rückenschmerzen nicht abgewartet werden, auch dann nicht, wenn die Ursache schon behoben worden ist.

Konservative Behandlungsmethoden

Früher wurde Patienten mit Rücken- und Wirbelsäulenschmerzen meist Bettruhe verordnet. Die Behandlung hat sich im Vergleich zu früher teilweise grundlegend geändert. Heute überwiegt die Auffassung, dass angeleitete und zielgerichtete Bewegung besser ist, als die Wirbelsäulenschmerzen auszuliegen und die Muskeln zu schonen. Experten für Wirbelsäulenschmerzen raten den betroffenen Patienten heute stattdessen zu krankengymnastischen bzw. physiotherapeutischen Übungen.

Grundsätzlich gilt, dass Bewegung und Sport hilfreich und notwendig sind, um sich nach einem konsequenten und individuell angepassten Training wieder beschwerdefrei bewegen zu können. Teilweise bietet sich für einen schnelleren Heilungsprozess die Kombination mit weiteren Behandlungen an:

  • medikamentöse Behandlung
  • Anwendung von Massagen und Heilbädern
  • bestimmte Entspannungsübungen

Bei etwa 90 Prozent der von Wirbelsäulenschmerzen betroffenen Patienten helfen konservative Behandlungsmethoden und deren Kombination, um sowohl die Schmerzen als auch die Grunderkrankung zu beheben. Vor allem bei akuten Schmerzen in der Wirbelsäule können die Patienten in der Regel von einer positiven Behandlungsprognose ausgehen.

Operative Behandlungsmethoden

Eine Operationsindikation lässt sich bei Wirbelsäulenschmerzen nicht allgemeingültig angeben. Nur bei bestimmten Erkrankungen mit einem bestimmten Schweregrad an körperlicher Beeinträchtigung und Schmerzen werden Operationen an der Wirbelsäule in Betracht gezogen. Bewegung bzw. Sport und Physiotherapie sind neben schmerzlindernden, entzündungshemmenden Medikamenten die wichtigsten Bausteine einer Therapie von Wirbelsäulenschmerzen.

Vorbeugung Wirbelsäulenschmerzen

Die Präventionsempfehlungen beziehen sich auf Erkrankungen, die durch einen Rücken- und Wirbelsäule-schonenden Umgang seltener auftreten, oder auf Therapieansätze bei bereits bestehender Erkrankung. Bewegung und das gezielte Training der Muskulatur helfen sehr effektiv dabei, die Wahrscheinlichkeit für Rückenschmerzen zu reduzieren.

Im Alltag ist es hilfreich, trotz eines sitzenden Berufs etwa ein Viertel der Arbeitszeit im Stehen zu verbringen – nutzen Sie höhenverstellbare Tische, wenn Sie die Möglichkeit haben. Auch Lockerungsübungen und kurze Spaziergänge können helfen. Außerdem sollte man öfter die Sitzposition ändern – mal aufrecht, mal zurückgelehnt. Mehr Bewegung können Sie auch einfach in den Alltag integrieren. So kann man etwa häufiger Wege zu Fuß bewältigen oder beispielsweise auch die Treppen dem Fahrstuhl vorziehen.

In einer speziellen Rückenschule lassen sich Übungen erlernen, die sich auch optimal im Büro ausführen lassen. Wichtig ist, die Übungen nicht falsch durchzuführen.

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