Spinalkanalstenose | Symptome & Therapie der Spinalkanalverengung

Spinalkanalstenose

Übersetzt bedeutet die Spinalkanalstenose eine Verengung des Kanals der Wirbelsäule, in dem das Rückenmark und die Nervenfasern verlaufen. Je nach Ursache wird dabei zwischen einer angeborenen und einer erworbenen Spinalkanalstenose unterschieden. Schätzungen zufolge leiden etwa ein Prozent der Menschen über 60 unter einer Spinalkanalverengung. Frauen sind dabei wesentlich häufiger betroffen als Männer.

Definition: Was ist eine Spinalkanalstenose?

Die Spinalkanalstenose ist eine Einengung der Nervenfasern, die durch eine Verengung des Spinalkanals der Wirbelsäule verursacht wird. Eine solche Spinalkanalverengung kann unterschiedlich Gründe habe. Dabei wird zwischen einer angeborenen und einer erworbenen Spinalkanalstenose unterschieden.

Wie häufig tritt eine Spinalkanalstenose auf?

Während die angeborene Spinalkanalstenose eher selten ist, kommt die erworbene (auch degenerative) Spinalkanalverengung eher häufig vor. Obwohl es keine verlässlichen Zahlen gibt, schätzt man, dass ungefähr ein Prozent der Bevölkerung über sechzig Jahren unter einer Spinalkanalstenose leiden. Dabei sind Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer. Doch die Symptome sind oft nicht für jeden schnell und eindeutig als Spinalkanalverengung zu erkennen.

Aufgrund der hohen mechanischen Belastung kommt eine Spinalkanalstenose in der Lendenwirbelsäule besonders häufig vor, gefolgt von einer Spinalkanalstenose in der Halswirbelsäule. Eine Spinalkanalverengung in der Brustwirbelsäule tritt dagegen sehr selten auf.

Anatomie und Funktion der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule ist zentraler Bestandteil des Körpers. Sie wird im Normalfall nicht unmittelbar als solcher wahrgenommen und dennoch erfüllt die Wirbelsäule sehr wichtige Funktionen und enthält die wichtigsten Strukturen des menschlichen Körpers. Die Wirbelsäule ist ein sehr komplexes Gebilde aus unzähligen Knochen. Zwischen zwei Wirbelkörpern sitzen die Bandscheiben. Sie dienen als Stoßdämpfer, die das große Gewicht, das auf der Wirbelsäule lastet, abfangen. Diese werden durch einen straffen Bandapparat zusammen gehalten.

Die Wirbelsäule samt Spinalkanal ist die wichtigste Körperachse. Zusätzlich ermöglicht sie durch die beiden S-förmigen Krümmungen, die als Kyphose (obere) und Lordose (untere) bezeichnet werden, den aufrechten Gang des Menschen. Durch diese spezielle Form kann bei einem aufrechten Gang das schwere Gewicht des Kopfes getragen werden.

Anatomie und Funktion des Spinalkanals

In diesem aufwendigen Konstrukt befindet sich der Spinalkanal. Der Hohlraum ist mit den Hirnhäuten ausgekleidet. Zusätzlich verläuft hier das Rückenmark mit dessen Blutversorgung. Der Liquor zirkuliert als Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit auch innerhalb der Wirbelsäule, genauer, im Spinalkanal. Aus diesem Grund ist er ein diagnostisch sehr wichtiges Mittel.

Durch eine Punktion des Spinalkanals an einer bestimmten Stelle kann Liquor entnommen werden und im Labor auf bestimmte Werte untersucht, die auf Krankheiten hinweisen. Bei der sogenannten Lumbalpunktion wird auf Höhe der Lendenwirbelsäule eine lange Nadel in den Duralsack gestochen. An dieser Stelle befindet sich kein Rückenmark mehr und folglich keine Nerven, die verletzt werden könnten. Der Liquor tritt als farblose Flüssigkeit aus und wird aufgefangen. Das gewonnene Gehirn- und Rückenmarkswasser wird anschließend im Labor untersucht.

Schon eine mit dem Auge sichtbare Verfärbung kann auf Hirnblutungen oder Entzündungen hinweisen. Da das Gehirn und das Rückenmark ein geschlossenes System sind, ist die Lumbalpunktion ein sehr wichtiges Diagnoseverfahren, um Krankheiten in Gehirn und Rückenmark festzustellen. Auch eine Spinalkanalstenose kann über eine Entnahme und Untersuchung von Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit festgestellt werden. Eine Stauung des Liquors durch die Spinalkanalstenose führt zu einer Änderung in der Anzahl bestimmter Zellen.

Der Spinalkanal der Wirbelsäule tritt durch den Schädel ins Gehirn ein. Damit bilden beide ein geschlossenes System, das zentrale Nervensystem (ZNS). Krankheiten, die es betreffen, müssen durch eine Entnahme des Gehirn- und Rückenmarkwassers festgestellt werden.

Mit dem Liquor befindet sich auch das Rückenmark im Kanal der Wirbelsäule. In ihm laufen alle wichtigen Nervenbahnen zusammen und enden im Gehirn. Auf diesem Weg funktioniert das Empfangen und Senden von Information. Das Rückenmark ist mit dem Gehirn die wichtigste Funktionseinheit des menschlichen Körpers. Ohne die unzähligen Nervenbahnen könnte keinerlei Information fließen, weder willkürlich gedachte, noch unbewusst vom Körper gesendete und auch keine Schmerzen.

Eine Schädigung des Rückenmarks hat gravierende Auswirkungen. Schon kleine Verletzungen der Nerven können zu Lähmungen führen. Doch auch eine Beeinträchtigung durch den Schutz der Wirbelsäule bleibt nicht ohne Folgen.

 

 

Ursachen einer Spinalkanalverengung

Grundsätzlich kann je nach Ursache der Stenose zwischen einer angeborenen und einer erworbenen Spinalkanalverengung unterschieden werden.

Ursachen einer angeborenen Spinalkanalverengung

Bei der angeborenen Spinalkanalstenose sind die seitlichen Verbindungsknochen der Wirbelkörper zu kurz oder eine Fehlbildung der Wirbel für die Spinalkanalverengung verantwortlich. Der Wirbelkanal kann an den betroffenen Stellen nicht seine benötigte Breite erreichen. Es kommt zu einer Spinalkanalstenose. Die eigentlich schützende Wirbelsäule drückt auf Rückenmark, Hirnhäute und Arterien. Die angeborene Form der Spinalkanalverengung kann schon im Alter von zwanzig Jahren zu Problemen führen.

Ursachen einer erworbenen Spinalkanalstenose

Die erworbene Spinalkanalstenose ist eine Alterserscheinung. Mit den zunehmenden Lebensjahren geht dem Körper Flüssigkeit verloren. Es kommt zum Verschleiß der Bandscheiben. Um diese Instabilität auszugleichen, bildet der Körper Knochenhöcker aus. Diese gleichen zwar die fehlenden Bandscheiben aus, drücken aber gleichzeitig auf das Rückenmark, weil sie größer und massiver als die Bandscheiben sind. Zusätzlich sind die knöchernen Ausbildungen auch nicht mehr flexibel. Dadurch engen sie den Spinalkanal ein und drücken auf das Rückenmark. Diese Form der Spinalkanalstenose macht sich im hohen Alter bemerkbar. Zwischen sechzig und neunzig Jahren berichten Patienten über Beschwerden einer Wirbelkanaleinengung.

Die Ursachen beider Formen der Spinalkanalverengung sind bekannt, ebenso wie Zahlen der angeborenen Form der Spinalkanalstenose. Trotzdem kann die Anzahl der Betroffenen, die an einer erworbenen Verengung des Wirbelkanals erkrankt sind, bislang nur geschätzt werden. Sicher ist aber, dass die Zahl weiterhin steigen wird, da die Bevölkerung immer älter wird.

Symptome einer Spinalkanalstenose

Die Symptome der Spinalkanalverengung können vielfältig sein. Deswegen ist die Diagnose einer Spinalkanalstenose nicht einfach. Gerade bei der erworbenen Form zeigt die Spinalkanalstenose Beschwerden, die im hohen Lebensalter allgemein gültig sein könnten.

Die Patienten klagen über Rückenschmerzen und Gehstörungen. Eine nach vorne gebeugte Körperhaltung ist typisch für Patienten mit einer Spinalkanalverengung. Da sich bei dieser Körperhaltung die Wirbelsäule auseinander streckt, bleibt dem Spinalkanal mit seinen Strukturen mehr Platz. Aus diesem Grund zeigen Patienten mit Spinalkanalstenose beim Fahrradfahren häufig keine Beschwerden.

Die Problematik äußert sich durch sehr starke Schmerzen im unteren Rücken. Besonders dann, wenn der Rücken in ein Hohlkreuz überstreckt wird. Jetzt haben die Strukturen im Spinalkanal noch weniger Raum und werden zusammen gepresst.

Die Schmerzen, die eine Verengung des Wirbelkanals verursacht, können vom unteren Rücken bis in die Beine ausstrahlen. Diese Beschwerden zeigen sich besonders beim Gehen, wenn die Wirbelsäule wieder eng aufeinanderliegt. Patienten bleibt oft nur der Gang in vorgebeugter Haltung. Nur so können sie mit einer Spinalkanalstenose überhaupt aufstehen.

Ein Gefühl von bleiernen Beinen beschreibt die Beschwerden, die eine Spinalkanalstenose verursacht. Das macht das Gehen so schwer. In manchen Fällen können bestimmte Beinbewegungen nicht mehr gemacht werden. Es kann zu Empfindungsstörungen in den Beinen kommen.

Diagnose der Spinalkanalverengung

Wenn die erste Befragung und körperliche Untersuchung stattgefunden hat und der erste Verdacht auf eine Spinalkanalstenose gefallen ist, müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden, um ihn zu bestätigen.

Die Problematik des Gehens bei einer Spinalkanalstenose kann einfach aber effektiv mit Hilfe der sogenannten Gehstrecke beurteilt werden. Das Messen der Gehstrecke ist auch in der Neurologie ein bewährter Maßstab, um den Verlauf von Krankheiten bewerten zu können. Der Patient geht dabei so viele Schritte bzw. Meter bis die von ihm beschriebene Problematik einsetzt. Über Werte, die bereits ermittelt und festgehalten wurde, kann das Ergebnis verglichen werden.

Bildgebende Verfahren zur Diagnose einer Spinalkanalstenose

Um eine Spinalkanalstenose aber sicher feststellen zu können, ist ein bildgebendes Verfahren nötig. Die Magnetresonanztomographie bietet sich an, da sie strahlungsarm ist. Sollte dem Patienten jedoch in einer früheren OP Metallteile eingesetzt wurden sein, muss eine Computertomographie gemacht werden. Diese Untersuchung bedient sich zwar der Röntgenstrahlung, macht aber eine Verengung des Wirbelkanals sichtbar, ebenso wie das klassische Röntgenbild. In manchen Fällen kann auch die Röntgen-Kontrastmittel-Untersuchung des Rückenmarks, die sogenannte Myelographie hilfreich sein. Das bildgebende Verfahren muss aber der behandelnde Arzt aussuchen. Er kann die Spinalkanalstenose am besten beurteilen.

Eine Diagnose der Spinalkanalstenose über bestimmte Werte im Liquor nach einer Lumbalpunktion ist zwar möglich, wird aber äußerst selten angewendet. Dieses Verfahren wäre invasiv und würde gegenüber den bildgebenden Verfahren keinerlei Vorteile bieten. Auf Bildern einer Untersuchung kann die Spinalkanalstenose eindeutig gesehen werden. Das weitere Vorgehen entscheidet der behandelnde Arzt gemeinsam mit dem betroffenen Patienten.

Behandlung einer Spinalkanalverengung

Die konservative Behandlung der Spinalkanalstenose

Es gibt unterschiedliche Ansätze, um eine Spinalkanalstenose zu behandeln. Eine konservative Behandlung aus Schmerzmitteln und Physiotherapie kann erfolgreich sein. Oft lindern sie die Beschwerden, aber nur kurzeitig. Die ursprüngliche Problematik durch eine Fehlbelastung bleibt meist bestehen. Das Tragen eines Stützkorsetts kann unter Umständen eine Entlastung bieten. Es behebt aber nicht die ursprüngliche Problematik bei einer Spinalkanalstenose und müsste ständig getragen werden.

Operative Behandlung der Spinalkanalverengung

Eine OP kann die Spinalkanalstenose dauerhaft beheben und dem Patienten die Beschwerden nehmen. Obwohl viele Patienten vor diesem Eingriff zurück schrecken, bietet er die besten und schnellsten Heilungschancen. Diese Operation ist ein technisch äußerst komplizierter Eingriff für den Chirurgen. Er wird nur in wenigen Kliniken in Deutschland von erfahrenen Ärzten durchgeführt. Heutzutage gibt es zwei Arten zu operieren: eine offene OP oder ein minimal-invasiver Eingriff. Die Laminektomie, bei der ganze Wirbelkörper entfernt werden, um dem eingeengten Spinalkanal Raum zu verschaffen, wird seit vielen Jahren nicht mehr angewendet.

Bei der offenen OP besteht dennoch die Möglichkeit Wirbel teilweise zu entnehmen. So kann der Chirurg gut an der betroffenen Stelle arbeiten und die Spinalkanalstenose wird behoben. Bei einer herkömmlichen Operation der Spinalkanalstenose gibt es auf Höhe der Halswirbelsäule zwei Möglichkeiten, um die betroffene Stelle zu erreichen. Über einen Einschnitt vorne am Hals kann der Chirurg natürlich vorkommenden Wegen folgen, um an die Wirbelsäule zu gelangen. Eine andere Möglichkeit ist der Eingriff über die Körperrückseite und den Nacken. Von hier kann der betroffene Wirbel direkt erreicht werden. Der Wirbelkörper wird auf gesägt und aufgeklappt, um der bestehenden Spinalkanalverengung mehr Raum zu schaffen. Der Austausch der Wirbelkörper, die durch Knochensporne die Spinalkanalstenose verursachen, gegen ein Implantat ist eine weitere Möglichkeit.

Eine Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule kann mittlerweile mit minimal-invasiven Verfahren operiert werden. Dazu wird ein kurzer Hautschnitt gesetzt, durch den der Chirurg Zugang zu einer Seite der Wirbelsäule hat. Auf diesem Weg kann auch die andere Seite der Wirbelsäule erreicht werden und der Wirbelkanal wird erweitert. Diese minimal-invasive Technik, eine Spinalkanalverengung im Bereich der Lendenwirbelsäule zu operieren, kann auf verschiedenen Höhen angewendet werden.

Jede Operation einer Spinalkanalstenose unterscheidet sich stark von der anderer Wirbelkanalverengungen. Das angewendete OP-Verfahren ist absolut abhängig von den vorliegenden Gegebenheiten. Unter anderem spielen Körperbau und Alter des Patienten eine Rolle.

 

Prognose: Heilungschancen einer Spinalkanalstenose

Grundsätzlich sind die Chancen auf Heilung bei einer Spinalkanalstenose gut. Oft lassen die Beschwerden auch ohne Eingriff nach einer Weile wieder nach. Es ist wichtig, dass die ursächliche Problematik behandelt wird, die für die Spinalkanalstenose verantwortlich ist. Das funktioniert nur im Fall einer erworbenen Spinalkanalstenose. Doch gerade in diesen Fällen ist häufig eine Fehlbelastung oder mangelnde Bewegung das Problem. Diesen Ursachen kann gezielt durch Sport und Physiotherapie entgegen gewirkt werden. Die Beschwerden einer Spinalkanalstenose werden gelindert und zusätzlich das Wiederentstehen gestoppt.

Doch die konservative Behandlung lindert oft nur die Schmerzen. Das Versagen der Beine, über das so viele Patienten mit einer Spinalkanalverengung klagen, bleibt. Es kann nur gelindert werden, indem den betroffenen und eingeengten Nerven Platz geschaffen wird. Oft bleibt nur die Möglichkeit der Operation einer Spinalkanalstenose. Hier droht wie bei allen Wirbelsäulen-OPs eine Verwachsung des operierten Gewebes oder eine Instabilität der Wirbelsäule. Beides führt zu neuen Schmerzen.

Doch die Behebung einer Spinalkanalstenose hat gute Heilungschancen. Nach einem minimal-invasiven Eingriff an der Lendenwirbelsäule kann bereits am nächsten Tag eine Verbesserung der zurück gelegten Gehstrecke festgestellt werden. Nach wenigen Tagen nach der Operation der Wirbelkanalverengung kann der Patient die Klinik verlassen und nach einigen Wochen wieder seinen üblichen Freizeitaktivitäten nachgehen. Er ist schmerz- und beschwerdefrei.

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